Die Heiliggeistkirche ist das religiöse Wahrzeichen Heidelbergs. Sie steht im Herzen der Altstadt, direkt am Marktplatz, und ist von fast jedem Punkt der Stadt aus zu sehen. Wer durch die Altstadt schlendert, kommt an ihr nicht vorbei. Und wer hineingeht, entdeckt eine bewegte Geschichte, die Reformation, Konfessionskriege, Buchschätze und die Grablege der mächtigsten Fürsten der Pfalz umfasst.
Geschichte: Gotik, Kurfürsten und die geteilte Kirche
Der Bau der Heiliggeistkirche begann im Jahr 1398 unter Kurfürst Ruprecht III., dem späteren deutschen König. Der spätgotische Bau ersetzte eine ältere romanische Kirche an gleicher Stelle. Im 15. Jahrhundert war die Kirche fertiggestellt und diente fortan als Hauptkirche der Pfalzgrafen bei Rhein. In der Empore und in der Unterkirche ließen sich die Kurfürsten und ihre Familien beisetzen, rund 50 Grablegen aus dem 14. bis 17. Jahrhundert befanden sich einst in der Kirche. Nur das Grab von Kurfürst Ruprecht III. und seiner Gattin Elisabeth von Hohenzollern ist noch erhalten.
Die Heidelberger Bibliotheca Palatina, eine der bedeutendsten Büchersammlungen der Welt, war im Chor der Kirche untergebracht. 1622 wurde sie als Kriegsbeute an Papst Gregor XV. nach Rom geschickt. Teile der Sammlung kehrten erst 1816 nach Heidelberg zurück und bilden heute den Kern der Universitätsbibliothek.
Die Mauer: Eine Kirche, zwei Konfessionen
Nach der Reformation und den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs war die Heiliggeistkirche Gegenstand eines einzigartigen Kompromisses: Ab 1706 teilten Protestanten und Katholiken die Kirche. Eine massive Mauer trennte das Kirchenschiff, das protestantisch blieb, vom Chor, der von den Jesuiten und damit katholisch genutzt wurde. Diese Aufteilung dauerte über 150 Jahre. Erst 1936 wurde die Mauer abgerissen. Heute ist die Kirche evangelisch und gehört der Evangelischen Landeskirche in Baden.
Was es in der Kirche zu sehen gibt
| Sehenswürdigkeit | Details |
|---|---|
| Grabmal Ruprecht III. | Einziges erhaltenes Kurfürstengrab; Ruprecht III. war auch König des Heiligen Römischen Reiches (1400–1410) |
| Kirchenempore | War einst vollständig mit Grafentomben belegt; heute freier Blick ins Kirchenschiff |
| Chor | Früherer Aufbewahrungsort der Bibliotheca Palatina, eine der berühmtesten Bibliotheken der Welt |
| Turm | Aussichtsplattform mit Blick über Marktplatz, Altstadt und Schloss; gegen Gebühr begehbar |
| Kirchenschiff | Spätgotik mit schlanken Säulen, helles Raumgefühl, heute schlicht und reformatorisch geprägt |
Praktische Infos
| Info | Details |
|---|---|
| Adresse | Marktplatz 1, 69117 Heidelberg |
| Öffnungszeiten | Täglich 11–17 Uhr (Saison); Gottesdienste So 10 Uhr |
| Turm | Gegen Gebühr; Öffnungszeiten variieren saisonal |
| Eintritt Kirche | Kostenlos; Spende erbeten |
| Anreise | Fußweg vom Bismarckplatz (10 Min.) oder S-Bahn Heidelberg-Altstadt |
Quelle: Evangelische Kirchengemeinde Heidelberg, Heiliggeistkirche
Foto: Irina Iriser, Pexels (kostenlos nutzbar)





