Auf dem Gelände des alten Heidelberger Güterbahnhofs entstand das größte Passivhausquartier der Welt. Die Bahnstadt ist seit ihrer Gründung ein international beachtetes Modellprojekt für nachhaltiges Wohnen im urbanen Raum. Heute leben hier über 6.000 Menschen. Das Ziel von mindestens 5.000 Wohneinheiten ist fast erreicht.
Was ist ein Passivhaus und warum ist das besonders?
Ein Passivhaus kommt ohne aktive Heizung im klassischen Sinne aus. Die Gebäudehülle ist so gut gedämmt, dass die Körperwärme der Bewohner, Sonnenstrahlen durch die Fenster und die Abwärme von Elektrogeräten ausreichen, um die Räume warm zu halten. Im Sommer verhindert die gleiche Hülle eine Überhitzung. Der Heizenergiebedarf liegt bei maximal 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, das ist rund fünfmal weniger als bei einem normalen Neubau und bis zu zwanzigmal weniger als bei einem unsanierten Altbau.
In der Bahnstadt gilt verbindlich der Passivhausstandard für alle Neubauten. Das unterscheidet das Quartier von anderen Vorzeigeprojekten, bei denen Energieeffizienz eine Empfehlung ist, aber keine Pflicht. Kein einziges Gebäude darf gebaut werden, das diesen Standard unterschreitet.
Geschichte: Vom Güterbahnhof zum Stadtteil
Das Gelände des Güterbahnhofs im Westen Heidelbergs lag jahrzehntelang brach. Als die Deutsche Bahn die Fläche aufgab, erkannte die Stadt Heidelberg die Chance für ein ambitioniertes Stadtentwicklungsprojekt. 2007 beschloss der Gemeinderat den Bebauungsplan, 2012 zogen die ersten Bewohner ein. Seitdem wächst die Bahnstadt kontinuierlich.
Zahlen und Fakten
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Gesamtfläche | ca. 116 Hektar |
| Wohneinheiten (Ziel) | ca. 5.500 |
| Einwohner (2025) | über 6.000 |
| Arbeitsplätze | ca. 7.000 (Ziel) |
| Energiestandard | Passivhausstandard für alle Neubauten, max. 15 kWh/m²/Jahr |
| CO2-Einsparung | Rund 17.000 Tonnen CO2 jährlich weniger als konventionelle Bebauung |
| Erster Einzug | 2012 |
| Auszeichnungen | Größtes Passivhausquartier der Welt (Passivhaus Institut Darmstadt) |
Was die Bahnstadt bietet: Infrastruktur und Alltag
Die Bahnstadt ist kein reines Wohnquartier. Von Beginn an wurde auf eine Nutzungsmischung geachtet, die ein lebendiges Stadtteilleben ermöglicht. Es gibt Kindertagesstätten, Grundschulen, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie, Arztpraxen und Gewerbeflächen. Das Unternehmen SAP betreibt ein Entwicklungszentrum in der Bahnstadt. Das Europäische Molekularbiologische Labor (EMBL) hat seinen Hauptsitz hier. Das Karlstorbahnhof-Kulturzentrum liegt am Rande des Quartiers.
Auf Nachhaltigkeit wird auch beim Verkehr geachtet. Die Straßenbahn erschließt das Quartier direkt, Fahrradwege durchziehen die Bahnstadt in alle Richtungen. Tiefgaragen bündeln den ruhenden Autoverkehr, sodass die Straßen im Quartier weitgehend autofrei bleiben.
Das Europäische Molekularbiologische Labor: Weltforschung in der Bahnstadt
Dass das EMBL seinen Hauptsitz in der Bahnstadt hat, unterstreicht den wissenschaftlichen Charakter des Quartiers. Das EMBL ist Europas führendes Labor für Molekularbiologie, finanziert von 28 Mitgliedstaaten. Mehr als 1.800 Mitarbeiterinnen aus über 60 Nationen forschen hier zu den grundlegenden Bausteinen des Lebens. Das EMBL ist auch ein wichtiger Arbeitgeber und belebt das Quartier mit internationalem Flair.
Anreise und ÖPNV
| Info | Details |
|---|---|
| Straßenbahn | Linie 22 und 26 ab Bismarckplatz bis Bahnstadt |
| Fahrrad | Direktverbindung über Radwege aus Altstadt und Bergheim |
| Auto | Über B535, Parkhaus im Quartier vorhanden |
| Lage | Westlich des Hauptbahnhofs, zwischen Rohrbach und Bergheim |
Quelle: Stadt Heidelberg, Bahnstadt · Passivhaus Institut Darmstadt
Foto: Bilal Mansuri, Pexels (kostenlos nutzbar)






