, ,

Hilde Domin: Heidelbergs große Lyrikerin, Emigrantin und Ehrenbürgerin

Hilde Domin ist Heidelbergs berühmteste Lyrikerin. 2026 zeigt das Haus Cajeth eine Ausstellung zu ihrem 20. Todestag. Biografie, Werk und ihre tiefe Verbindung zur Stadt.

Aufgeschlagenes Buch in Schwarzweiß

„Man muss weggehen können und doch sein wie ein Baum: als bliebe die Wurzel im Boden.“ Dieses Zitat von Hilde Domin fasst ihr Leben und ihr Werk auf eine Weise zusammen, die kaum prägnanter sein könnte. Hilde Domin wurde in Köln geboren, lebte in Heidelberg, emigrierte vor den Nazis nach England, Dominikanische Republik und Spanien und kehrte nach Jahrzehnten des Exils dorthin zurück, wo sie jung gewesen war: nach Heidelberg. Sie wurde Ehrenbürgerin der Stadt, eine der bedeutendsten deutschen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts und ein Symbol für die Kraft der Sprache im Angesicht von Verlust und Vertreibung.

Biografie: Flucht, Exil und Rückkehr

Hilde Domin wurde am 27. Juli 1909 als Hilde Löwenstein in Köln geboren. Sie studierte in Heidelberg, Bonn, Köln und Rom, unter anderem Rechtswissenschaften und Nationalökonomie. 1932 promovierte sie in Florenz. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, emigrierte sie mit ihrem Mann, dem Kunsthistoriker Erwin Walter Palm, zunächst nach England, dann nach Italien und schließlich in die Dominikanische Republik, wo die beiden mehr als ein Jahrzehnt lebten. Den Namen Domin wählte sie als Pseudonym nach ihrer zweiten Heimat.

Erst nach dem Tod ihres Mannes 1988 kehrte Hilde Domin dauerhaft nach Deutschland und nach Heidelberg zurück. Sie war da bereits 78 Jahre alt. Die Heidelberger Jahre wurden zu einem langen literarischen Herbst: Sie hielt Lesungen, schrieb, empfing Besucher und engagierte sich für Geflüchtete und Verfolgte, weil sie wusste, was es bedeutete, keine Heimat zu haben.

Werk: Die Lyrik des Neuanfangs

Hilde Domin begann erst spät zu schreiben. Ihr erstes Gedicht entstand 1951 im Exil auf der Dominikanischen Republik, als Reaktion auf den Tod eines Freundes und das Heimweh nach Deutschland. Diese Spätheit ist Teil ihres Werks: Domin schrieb nicht aus Routine oder Karrieredenken, sondern weil sie musste. Ihre Sprache ist klar, direkt und voller Bilder. Themen sind Heimat und Heimatverlust, Exil, Neuanfang, Liebe, Tod und die Unzerstörbarkeit des Menschen trotz allem.

Ihre wichtigsten Werke sind die Gedichtbände „Nur eine Rose als Stütze“ (1959), „Rückkehr der Schiffe“ (1962) und „Hier“ (1964). Der Prosaband „Das zweite Paradies“ (1968) ist autobiografisch geprägt. Ihre Essays zur Poetik, insbesondere „Wozu Lyrik heute“ (1968), gehören zu den wichtigsten Auseinandersetzungen mit der deutschen Nachkriegslyrik.

Auszeichnungen und Ehrungen

Auszeichnung Jahr
Roswitha-Preis1971
Nelly-Sachs-Preis1983
Ehrenbürgerin der Stadt Heidelberg1983
Großes Bundesverdienstkreuz1990
Heidelberger Literaturpreis (Erstverleihung an sie)1995
Ehrenbürgerin der Universität Heidelberg2004

Die Ausstellung 2026 im Haus Cajeth

Zum 20. Todestag von Hilde Domin, die am 22. Februar 2006 in Heidelberg starb, zeigt das Museum Haus Cajeth in der Haspelgasse 12 vom 20. Februar bis 21. März 2026 eine umfangreiche Ausstellung. Zu sehen sind Exponate aus ihrem einstigen Arbeitszimmer, persönliche Gegenstände, Briefe und Fotografien. Kuratorisch begleitet wird die Ausstellung von Marion Tauschwitz, Hilde-Domin-Biografin und langjährige Vertraute der Dichterin. Mitveranstalter sind das Kurpfälzische Museum und das Deutsche Literaturarchiv Marbach.

Quelle: Stadt Heidelberg, Ausblick 2026 · Wikipedia: Hilde Domin

Foto: Pexels, Pexels (kostenlos nutzbar)