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Deutsches Apothekenmuseum Heidelberg: Geschichte, Sammlung und alles zum Besuch im Schloss

Das Deutsche Apothekenmuseum im Heidelberger Schloss ist die weltgrößte Sammlung zur Pharmaziegeschichte. Neun historische Offizinen, über 1.000 Rohdrogen, gepulvertes Einhorn und die Geschichte des Contergans. Alles zum Besuch.

Historische Apothekenflaschen aus dem Deutschen Apothekenmuseum Heidelberg

Wer das Heidelberger Schloss besucht, denkt an Ruinen, Romantik und Touristenmassen. Kaum bekannt ist, dass im Inneren des Schlosses eines der bedeutendsten Spezialmuseen Deutschlands liegt: Das Deutsche Apothekenmuseum beherbergt die weltweit größte Sammlung zur Geschichte der Pharmazie, mit über 700.000 Besucherinnen und Besuchern jährlich gehört es zu den meistbesuchten Museen im Land.

Geschichte: Von München nach Heidelberg

Das Museum hat eine bewegte Vergangenheit. Es wurde 1937 als gemeinnützige Stiftung gegründet, den Grundstock bildete die damals größte deutsche pharmaziegeschichtliche Privatsammlung von Walter Heinrici. 1938 eröffnete das Museum in München. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Museumsgebäude 1943 fast vollständig zerstört, ein Großteil der Sammlung war jedoch rechtzeitig ausgelagert worden. Nach dem Krieg landeten die Bestände zunächst in der Neuen Residenz in Bamberg. 1957 fand die wachsende Sammlung schließlich ihr dauerhaftes Zuhause im Heidelberger Schloss, wo sie seither verblieben ist und sich über elf Räume erstreckt: den Ottheinrichsbau, den Ludwigsbau und den Apothekenturm.

Was das Museum einzigartig macht: Die Offizinen

Das absolute Herzstück der Sammlung sind die vollständig erhaltenen historischen Apothekeneinrichtungen, die sogenannten Offizinen. Das Museum besitzt neun vollständige Offizinen, von der Barockzeit bis in die 1930er Jahre. Sie zeigen, wie eine Apotheke in ihrer jeweiligen Epoche ausgesehen hat, welche Möbel, Gefäße und Geräte verwendet wurden und wie sich das Berufsbild des Apothekers gewandelt hat.

Den Beginn des Rundgangs bildet die prächtige barocke Apothekeneinrichtung aus der ehemaligen Benediktinerabtei Schwarzach in Baden, eines der ältesten erhaltenen Stücke seiner Art. Bemalte Schränke, Fachböden mit Holzgefäßen und Tonkrügen, Mörser und Destillierapparate vermitteln das Bild einer Klosterapotheke des 17. Jahrhunderts. Biedermeier-Einrichtungen, eine elegante Offizin aus dem frühen 19. Jahrhundert und eine Apotheke der 1930er Jahre vervollständigen den historischen Bogen.

Die drei Themen der Ausstellung

Ausstellungsbereich Was zu sehen ist
Geschichte der Heilkunde Von prähistorischen Anfängen über antike Grundlagen und arabische Medizin bis zur modernen Pharmazie; Klosterpharmazie, Alchemie, Aufklärung
Das Arzneimittel Über 1.000 Rohdrogen aus dem 17.–19. Jahrhundert; Sammlung industriell hergestellter Arzneimittel mit Meilensteinen wie Aspirin, Insulin, Contergan; Aufbewahrungsgefäße aus Glas, Fayence und Majolika
Die Apotheke als Arbeitsplatz Neun vollständige Offizinen; Laboratorium unter dem Apothekenturm mit Originalen Gerätschaften; Kräuterkammer; Haus- und Reiseapotheken

Kuriose und bemerkenswerte Exponate

Das Deutsche Apothekenmuseum lebt auch von seinen skurrilen und überraschenden Objekten. Wer die Ausstellung durchläuft, begegnet unter anderem gepulvertem Einhorn (in Wirklichkeit Nashornhorn oder Elfenbein, das im Mittelalter als Allheilmittel galt), einer menschlichen Schädeldecke als Arzneibestandteil und Tausenden von Gefäßen mit getrockneten Kräutern und exotischen Substanzen. Die Sammlung Merck besticht durch original erhaltene Verpackungen des späten 19. Jahrhunderts, die Stoffe enthalten, die heute streng reguliert oder verboten sind. Eines der eindrücklichsten Exponate ist die Geschichte des Medikaments Contergan, das 1961 vom Markt genommen werden musste und das bundesdeutsche Arzneimittelgesetz grundlegend veränderte.

Führungen, Kinderprogramm und Veranstaltungen

Das Museum bietet weit mehr als eine Dauerausstellung. Öffentliche Führungen zu Spezialthemen finden regelmäßig statt, darunter Klassiker wie „Alraune und Einhorn: Spaziergang durch die Geschichte der Heilkunde“, „Pesthauch und Himmelsduft: Heilkunde in Zeiten der Pest“ und „Alchymie: Von mehr oder weniger erfolgreichen Alchemisten“. Kinder haben in der eigens eingerichteten Kinderapotheke die Möglichkeit, Tees zu mischen und an einer Duftstation ihren Geruchssinn zu testen. Gruppenführungen für bis zu 50 Personen sind buchbar. Gelegentliche Sonderveranstaltungen wie Medizinalweinverkostungen und Workshops zur Salbenherstellung ergänzen das Programm.

Alle Besucherinfos auf einen Blick

Info Details
AdresseSchloss Heidelberg, 69117 Heidelberg (Eingang über Schlosshof)
ÖffnungszeitenAnfang Januar bis Mitte März: täglich 10–17:30 Uhr; Mitte März bis Anfang Januar: täglich 10–18 Uhr
EintrittIm Schlossticket enthalten; separates Museumsticket erhältlich
AnreiseBergbahn (Kornmarkt) oder Fußweg durch den Schlossgarten
AudioguideVerfügbar in mehreren Sprachen
BarrierefreiheitSchloss und Museum sind nicht vollständig barrierefrei
FührungenÖffentliche Themenführungen und Gruppenführungen buchbar (bis 50 Personen)
MuseumsshopEiner der schönsten Museumsshops Heidelbergs
Websitedeutsches-apotheken-museum.de

Tipp: Kombination mit dem Schlossbesuch

Das Apothekenmuseum lässt sich ideal mit einem Besuch des Heidelberger Schlosses verbinden. Da der Museumseintritt im Schlossticket enthalten ist, entsteht kein Zusatzaufwand. Wer das Schloss ohnehin besucht, sollte mindestens eine Stunde für das Museum einplanen, für eine ausführliche Besichtigung mit Führung auch zwei. Wechselausstellungen ergänzen die Dauerausstellung und sorgen dafür, dass sich auch wiederholte Besuche lohnen.

Quelle: Deutsches Apothekenmuseum Heidelberg · Wikipedia: Deutsches Apotheken-Museum · Schloss Heidelberg

Foto: cottonbro studio, Pexels (kostenlos nutzbar)