, ,

Zwei ERC Starting Grants für Heidelberg: Wofür der EU-Forschungsrat Millionen vergibt

Der Europäische Forschungsrat vergibt zwei ERC Starting Grants an die Universität Heidelberg: für Klimaforschung mit Tropfsteinen und für Hirntumorforschung. Was ERC Grants sind und was die Projekte bedeuten.

Tropfsteinhöhle Stalaktiten Klimaforschung

Es ist eine der begehrtesten Förderungen in der europäischen Wissenschaft: der ERC Starting Grant des Europäischen Forschungsrates. Gleich zwei davon gehen in der jüngsten Runde an die Universität Heidelberg. Gefördert werden zwei Nachwuchsforschende in frühen Karrierestufen, die an ganz unterschiedlichen, aber gleichermaßen spannenden Fragen arbeiten: der Rekonstruktion tropischer Wirbelstürme aus Tropfsteinen und der Erforschung aggressiver Hirntumore. Zusammen bringen die beiden Grants rund vier Millionen Euro nach Heidelberg.

Was ist ein ERC Starting Grant?

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) ist die zentrale EU-Einrichtung zur Förderung von Grundlagenforschung. Seine Grants gelten als Goldstandard und sind hart umkämpft. Der Starting Grant richtet sich an vielversprechende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler am Beginn ihrer selbstständigen Karriere, meist einige Jahre nach der Promotion. Gefördert wird nicht ein bestimmtes Ergebnis, sondern die Freiheit, einer mutigen, oft riskanten Forschungsidee über mehrere Jahre nachzugehen. Die Förderdauer beträgt fünf Jahre.

Die beiden geförderten Projekte

Geförderte PersonForschungsthema
PD Dr. Sophie WarkenRekonstruktion tropischer Wirbelstürme anhand von Tropfsteinen (rund 1,5 Mio. Euro)
Dr. Dr. Varun VenkataramaniWechselwirkung von Nervensystem und Krebs bei aggressiven Hirntumoren (rund 2,4 Mio. Euro)

Klimageschichte aus Tropfsteinen

Sophie Warken forscht an den Instituten für Geowissenschaften und Umweltphysik. In ihrem Projekt will die Physikerin und Geowissenschaftlerin anhand von Metallablagerungen in Tropfsteinen die Aktivität tropischer Wirbelstürme über Zeiträume von mehreren hunderttausend Jahren rekonstruieren. Der Hintergrund ist hochaktuell: Tropische Wirbelstürme gehören zu den zerstörerischsten Extremwetterereignissen, doch ihre langfristigen Muster lassen sich bislang kaum modellieren, weil verlässliche Daten fehlen. Warkens Forschung könnte helfen, künftige Extremwetterereignisse besser vorherzusagen.

Wenn Nerven und Krebs zusammenwirken

Varun Venkataramani von der Medizinischen Fakultät Heidelberg ist Neurologe und Neurowissenschaftler. Er untersucht, wie Nervensystem und Krebs zusammenwirken, insbesondere bei Glioblastomen, den aggressivsten Hirntumoren. Sein Ziel ist es, die Mechanismen zu verstehen, mit denen sich diese Tumore im Gehirn ausbreiten und mit Nervenzellen vernetzen. Aus diesen Erkenntnissen könnten neue Ansätze für Therapien entstehen. Es ist ein junges, hochinnovatives Forschungsfeld, das die Grenze zwischen Neurowissenschaft und Krebsforschung überschreitet.

Was das für den Standort bedeutet

Dass gleich zwei ERC Starting Grants nach Heidelberg gehen, unterstreicht die Stärke der Universität in der Nachwuchsförderung. Seit 2008 haben Forschende der Ruperto Carola weit über hundert ERC Grants eingeworben, eine der besten Bilanzen in Deutschland. Solche Förderungen ziehen Talente an, ermöglichen riskante Grundlagenforschung und stärken den Ruf Heidelbergs als international führenden Wissenschaftsstandort. Für die beiden Geförderten bedeuten sie fünf Jahre Freiheit, um ihren großen Fragen nachzugehen.

Quelle: Universität Heidelberg, Pressemitteilung 92/2026 vom 3. September 2026

Foto: Tyler Karaszewski, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons